Leitfaden für Eltern · 2Morrow Lab

    Wie du dein Kind bei der Berufswahl begleitest

    Dein Kind steht vor der Frage, wie es nach der Schule weitergeht. Vielleicht hat es einen Plan, vielleicht drei, vielleicht keinen. Alles davon ist normal. Dieser Leitfaden zeigt, wie du helfen kannst, ohne die Entscheidung abzunehmen.

    1. Was gerade los ist

    Junge Menschen haben heute mehr Möglichkeiten als je zuvor: über 300 Ausbildungsberufe, mehr als 10.000 Bachelorstudiengänge, dazu Freiwilligendienste, Auslandsjahre und duale Wege. Mehr Auswahl macht die Entscheidung nicht leichter.

    • Knapp zwei Drittel der 14- bis 25-Jährigen sind mit den Infos zur Berufswahl unzufrieden. Die meisten finden genug Infos, kommen aber damit nicht zurecht.
    • Fast 30 % der Schüler:innen am Gymnasium haben noch keinen Weg, den sie auf jeden Fall gehen wollen.
    • 29,7 % aller 2024 begonnenen Ausbildungsverträge wurden vorzeitig gelöst. Viele starten danach eine andere Ausbildung.

    Wenn dein Kind unsicher ist, ist es also in guter Gesellschaft. Und wer nach dem ersten Versuch wechselt, macht oft einfach den zweiten Schritt.

    Quellen: Bertelsmann Stiftung, Ausbildungsperspektiven 2025 (auch für die Zahl der Berufe und Studiengänge); BIBB-Datenreport 2026.

    2. Deine Rolle: begleiten, nicht planen

    Du kennst dein Kind länger als jede Beratung. Trotzdem kannst du ihm die Entscheidung nicht abnehmen, und das ist gut so: Eine Entscheidung, die dein Kind selbst trifft, trägt es auch durch schwierige Phasen.

    Was du gut kannst:

    • Zuhören. Fragen stellen und die Antwort aushalten, auch wenn sie anders ausfällt als erhofft.
    • Erfahrungen möglich machen. Ein Praktikum organisieren helfen, jemanden aus deinem Bekanntenkreis anrufen, zu einem Tag der offenen Tür mitfahren.
    • Ruhe geben. Die Botschaft „Du musst nicht heute alles wissen“ nimmt mehr Druck als jeder Ratschlag.

    3. Ausprobieren statt durchplanen

    Bei 2Morrow Lab arbeiten wir mit einer einfachen Idee: Niemand findet den passenden Weg allein durch Nachdenken. Man findet ihn, indem man kleine Dinge ausprobiert und schaut, was dabei passiert.

    Kleine Versuche, die viel zeigen:

    • ein Praktikum oder ein Probetag in einem Betrieb
    • ein Ferienjob oder ein Ehrenamt
    • eine Vorlesung an einer Hochschule besuchen (viele Hochschulen bieten Schnuppertage an)
    • ein Gespräch mit jemandem, der den Beruf seit Jahren macht: Was ist schön daran, was nervt?

    Nach jedem Versuch hilft eine Frage mehr als jede Bewertung: „Was hat dir Energie gegeben, und was hat dich müde gemacht?“

    4. Gute Fragen für zu Hause

    Diese Fragen funktionieren am besten nebenbei: beim Kochen, im Auto, auf einem Spaziergang. Nicht alle auf einmal.

    • Wann vergisst du die Zeit?
    • Was machst du gern, auch wenn es niemand sieht oder lobt?
    • Wofür fragen dich andere um Hilfe?
    • Welche Fächer oder Themen magst du, und was genau daran?
    • Wie soll ein normaler Dienstag in zehn Jahren aussehen? Draußen oder drinnen, allein oder im Team, in der Stadt oder auf dem Land?
    • Wenn du drei ganz verschiedene Leben ausprobieren könntest: Welche wären das?

    Die letzte Frage ist eine Übung aus dem Life Design. Sie nimmt den Druck, den einen Plan finden zu müssen. Oft zeigt sich in den drei Leben etwas, das alle gemeinsam haben.

    5. Was eher nicht hilft

    • „Hauptsache sicher.“ Sicherheit ist wichtig. Ein sicherer Weg, der nicht passt, kann aber später zum Abbruch führen.
    • Vergleiche. Mit Geschwistern, Freund:innen oder mit dem eigenen Weg damals. Die Arbeitswelt sieht heute anders aus.
    • Die Entscheidung abnehmen. Auch wenn es gut gemeint ist: Was du entscheidest, muss dein Kind dann leben.
    • Nur über Noten reden. Noten zeigen, was gut klappt, aber wenig darüber, was dein Kind gern tut.

    6. Konkrete nächste Schritte

    1. Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Kostenlos, auch an vielen Schulen vor Ort. Ihr könnt gemeinsam hingehen.
    2. Ein Praktikum in den nächsten Ferien. Lieber kurz und konkret als lang und beliebig.
    3. Ein Tag der offenen Tür, an einer Hochschule oder in einem Ausbildungsbetrieb.
    4. Ein Gespräch mit zwei Menschen aus Berufen, die dein Kind interessieren. Frag in deinem Umfeld, wer jemanden kennt.
    5. Einen Termin für ein Folgegespräch in vier Wochen ausmachen: Was hat sich seitdem getan?

    7. Wo 2Morrow Lab hilft

    2Morrow Lab begleitet junge Menschen dabei, herauszufinden, was zu ihnen passt, und den nächsten Schritt auszuprobieren. In Potsdam arbeiten Jugendliche schon mit dem Life Design Canvas: Station für Station an ihrem eigenen Plan, auf einem A3-Bogen, begleitet von unserem KI-Begleiter Ellli. Als Nächstes kommen Tryouts: Berufe ausprobieren, bevor man sich entscheidet.

    Du hast Fragen oder möchtest mehr wissen? Schreib uns an info@2morrowlab.org oder vereinbare ein Gespräch.